Folge 50: Müller-Thurgau/Rivaner

Müller-Thurgau und Rivaner sind das gleiche: die erfolgreichste Neuzüchtung unter den weißen Rebsorten. Was es mit dem Namen auf sich hat, welche Weine man daraus macht und was Ihr mal getrunken haben solltet, verrät Folge 50.

Müller-Thurgau oder Rivaner bezeichnet eine Weißwein-Rebsorte, die 1882 vom Schweizer Herrmann Müller aus dem Kanton Thurgau gezüchtet wurde. Müller – er benannte sich später in Müller-Thurgau um – kreuzte Riesling mit Madeleine Royal, einer heute nicht mehr üblichen Rebsorte. Die Kreuzung erfolgte an der Weinbauversuchsanstalt in Geisenheim im Rheingau. Ihr Schöpfer dachte, er habe Riesling und Silvaner gekreuzt, und stellte seine Rebsorte auch als solche Kreuzung vor. Erst hundert Jahre später klärte eine Gen-Untersuchung diesen Sachverhalt Auf. Da hatte der Müller-Thurgau aber schon seinen Zweitnamen Rivaner als sprachliche Kreuzung von Riesling und Silvaner erhalten. Fun Fact am Rande: die echte Neuzüchtung aus den beiden Rebsorten heißt Rieslaner.

Müller-Thurgau – globale Erfolgsstrory

Müller Thurgau oder Rivaner steht heute auf über 20.000 Hektar (andere Quellen geben den Bestand mit bis zu 50.000 Hektar an) in der Welt und ist damit die erfolgreichste Neuzüchtung. Die größte Fläche findet sich in Deutschland. Neben Österreich und Ungarn setzen vor allem neuere Weinbaunationen wie Tschechien, Japan oder England auf den Rivaner. Das hängt damit zusammen, dass Müller-Thurgau nur wenig Ansprüche an seinen Standort stellt. Er mag fruchtbare, gut mit Wasser versorgte Böden. Normalerweise muss die Rebe ein bisschen leiden um gute Weine hervorzubringen, deswegen wächst Wein häufig dort, wo wenig anderes gedeiht. Man denke nur an die Schiefer-Steillagen der Mosel. In Europa sind mehr Flächen für Weinbau ungeeignet, weil sie zu fruchtbar sind, nicht weil sie zu karg wären. Und in diesen fruchtbaren Lagen gedeiht der Müller, wie seine Fans den Müller-Thurgau häufig abkürzen.

Rivaner ist unkompliziert

Müller-Thurgau RivanerRivaner ist ein sogenannter Massenträger. Die Rebstöcke tragen eine große Menge Trauben und anders als bei edleren Rebsorten erhöht sich die Qualität nicht deutlich, wenn der Winzer den Ertrag stark reduziert. Aus Müller-Thurgau entsteht praktisch nie großer Wein. Es gibt ein paar Ausnahmen, aber das sind eher sehr gute, immer noch keine großen Weine. Einen der besseren Müller-Thurgau findet Ihr im Weinpaket der Webweinschule. Halbtrockene Weine existieren viele, die wir aber selten empfehlenswert finden. Es fehlt ihnen an Säure und das schmeckt dann schnell pappig. Sehr selten sind edelsüße Weine aus Rivaner, bis hin zur Trockenbeerenauslese, doch die können sehr gut sein.

In der Nase ist der Rivaner leicht parfümiert und erinnert an Muskatnuss. Am Gaumen besticht er mit Leichtigkeit und einer milden Säure, denn Müller-Thurgau ist fast immer ein Schoppenwein, häufig auch im Alkohol leicht. Schlotzen ohne nachzudenken ist das Motto. Dazu gibt es aus keiner anderen Rebsorte in Deutschland so gute preisgünstige Weine. Gerade die deutschen Genossenschaften produzieren ein Meer an wunderbarem Müller-Thurgau für unter 5 Euro pro Flasche. Müller-Thurgau ist ein günstiger Alltagstropfen. Und als solchen lieben wir diesen Wein.

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