Folge 37: Wasser und Wein

Wasser und Wein gehören zusammen. Egal ob bei Tisch um gelegentlich den Gaumen zu erfrischen oder als Mittel gegen den Durst, damit der Weingenuss nicht ausufert, Ihr solltet immer Wasser griffbereit haben, wenn Wein im Spiel ist. Welches sich am besten eignet, erklären wir in Folge 37 der Webweinschule.

Wasser und Wein könnt Ihr auf zwei Arten zusammenführen: Wasser in Wein (als Weinschorle) oder Wasser zum Wein (als Durstlöscher und Katerprävention). Für beide Verwendungsarten gilt, dass Wasser und Wein sich gegenseitig geschmacklich beeinflussen. Und Ihr dürft davon ausgehen, dass das Wasser, welches Euch am besten zum Wein schmeckt, Euch auch am besten als Wasser für die Schorle gefallen wird.

Weinschorle – Wasser und Wein in einem Glas

Wir kennen Winzer, die stellen Ihren Literwein gerne als idealen Wein für eine Weinschorle vor und wir kennen solche, die tödlich beleidigt sind, lässt man sie wissen, dass ihre Basisqualität mit Mineralwasser gemischt einen prima Sommerdrink ergibt. Manche Menschen halten die Weinschorle für Banausentum. Wir sind der Meinung, dass das jeder halten soll, wie er mag. Weinschorle ist Geschmacksache. Allerdings kennen wir niemanden, der Schorle mit stillem Wasser trinkt (und finden das selber auch ziemlich fies). Auch Leitungswasser aus dem Sodastreamer ist kein idealer Partner für die Schorle und das hat einen einfachen Grund. Leitungswasser enthält nur sehr wenig Mineralstoffe. Und diese (fehlenden) Mineralstoffe spielen eine wichtige Rolle bei der Kombination von Wasser und Wein.

Wasser und Wein – achtet auf Mineralstoffe

Wasser und WeinDie wichtigsten Mineralstoffe sind die Hydrogencarbonate. Die kennen wir aus dem Haushalt in Formen wie Natriumhydrogencarbonat oder Kaliumhydrogencarbonat, besser bekannt als Bullrich-Salz und Backpulver. Diese Stoffe ‚puffern‘ Säure, um es vereinfacht auszudrücken. Bullrich-Salz ist ein Mittel gegen zu viel Säure im Magen (Sodbrennen). Entsprechend wirkt sich der Gehalt an Hydrogenkarbonaten darauf aus, wie die Säure im Wein in der Schorle wirkt. Verwendet Ihr mit Kohlensäure versetztes Leitungswasser ohne Hydrogencarbonate, so wirkt die zugesetzte Kohlensäure gemeinsam mit der Weinschorle unter Umständen sehr sauer, während ein mit ganz viel Hydrogencarbonaten daherkommendes Wasser wie Gerolsteiner oder Staatl. Fachingen extrem puffernd wirkt. Die Konzentration an Hydrogencarbonaten liegt bei diesen beiden Wässern über 1,8 Gramm pro Liter. Zum Vergleich: Selters hat etwas weniger als die Hälfte davon (0,8 Gramm) und San Pellegrino nur geringe Mengen (0,25 Gramm).

Mineralwasser zum Wein – Euer Geschmack entscheidet

Beim Wasserkauf spielt für immer mehr Verbraucher die Umweltbilanz eine Rolle. Wasser aus der Region liegt im Trend, weil es nicht auf schweren LKWs durch die halbe Republik transportiert wird. Kein Problem, denn jedes Wasser trägt seine Analysewerte auf dem Etikett. Auch aus regionalen Sorten könnt Ihr euch das Wasser mit der für Euch angenehmsten Mineralisierung heraussuchen. Das für Euch beste Markenwasser ebenfalls zu kennen, birgt den Vorteil, dass Ihr auch unterwegs in der Gastronomie, wo diese meiste vertreten sind, einen Überblick habt ohne mit dem Kellner über die Mineralisierung seiner Mineralwässer diskutieren zu müssen (was ein bisschen snobistisch rüberkommen könnte).

In seinem Buch über Mineralwasser erklärt Markus Del Monego, Master of Wine und Weltmeister der Sommeliers, Staatlich Fachingen sei gänzlich ungeeignet als Begleiter zum Wein. Andererseits werdet Ihr im Internet leicht Äußerungen von angesehenen Experten finden, die Fachingen als hervorragenden Weinbegleiter bezeichnen. Was uns das zeigt: es ist tatsächlich Geschmacksache. Was aber nicht bedeutet, dass Ihr keinen Unterschied schmecken werdet. Ganz im Gegenteil, probiert es aus.

Kommentare (8)

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Alisa Rulf
07. Februar 2017 um 22:24
Wow. Mein Wortschatz mag nicht annähernd dem entsprechend sein wie der der vorigen Kommentatoren aber... Medium Nestlé zu einem halbtrockenen Roten sind für den Konsumkaufenden und weniger spießigen ein guter Freund am Abend. Man kann ein Glas halb und halb genießen und muss sich nicht die Zunge verknoten um sich bei einen Kommentar hier wichtig tun zu müssen um besonders Wortgewandt zu wirken. In geselliger Runde ist eine Weinschorle nich zu viel und nicht zu wenig. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen hervorragenden Genuss Ihrer eigenkreation und lassts euch schmecken
Nico Stöckel
01. Oktober 2016 um 20:11
Hallo liebe Frau Schröder, lieber Herr Bodmann, seit gut zwei Monaten bin ich zum unumkehrbaren Fan Ihrer informativ schnörkellosen Webweinschule geworden. Stets fasziniert von Ihrer neutralen und dem Weinliebhaber erfreut auffällig distanzierten Darstellungsweise zu etablierten Weinmythen dieser Welt, bin ich auf Folge 37 gestoßen. Was war da los? Hat Ihnen Herr Selters da ein wenig zu gut zugesprochen? Ich musste mir das Video gleich 2-mal anschauen und wunderte mich, dass Sie nicht erröteten. Egal, bei alledem machen Sie einen ausgezeichneten Job. Freude würde mir auch eine Folge über Weinbau an sich, in Form von Rebschnitt und Erziehungsmethoden, bereiten. Und... Sie sehen von Folge zu Folge besser aus. Herr Bodmann mit langem Bart und Frau Schröder mit kurzen Haaren. Ein Traum... Ich wünsche das Allerbeste. VG Nico Stöckel
Nico Stöckel
17. Oktober 2016 um 22:30
Hallo Herr Bodmann, danke für Ihre Rückmeldung. Wenn bei Ihnen der Eindruck erweckt wurde, ich hätte Ihnen einen Fehler vorgeworfen, entsprach dies nicht meiner Absicht. Sie dürfen schließlich Ihren Auftritt gestalten, wie Sie es für richtig erachten. Zumal ich Ihre Beiträge nach wie vor als ausgesprochen bereichernd empfinde. Sie mögen denken, ich bin ein Erbsenzähler. Das bin ich gar nicht. Mich hat nur gestört, dass Sie eine Produktkategorie, namens Mineralwasser, neutral darstellen wollten, obwohl dies für Sie aufgrund der Partnerschaft zu Selters per se gar nicht mehr möglich war/ist. Dies hat mich überrascht, und ich empfand Ihre absolut markenfreie Position in den vorangegangenen Folgen als angenehmer. Nach nochmaligem Anschauen der Folge ist mir aber bewusst geworden, dass meine Kritik, in dem Sinne wie Sie es aufgefasst haben könnten, tatsächlich ungerechtfertigt war. Mit den besten Grüßen. Nico Stöckel
Felix
02. Oktober 2016 um 12:55
Hallo Herr Stöckel, auf die Kritik würde ich gerne eingehen, allein sie ist nicht gerade konkret. Die Folge haben wir gedreht, bevor wir mit Selters ins Geschäft kamen, allerdings schenkt Anja seit langem Selters im Laden aus. Inhaltlich fußt das Ganze auf unserer Ansicht nach neutralen Quellen. Wo soll(en) der/die Fehler denn liegen? Beste Grüße Felix Bodmann
EinfachWein
23. Januar 2016 um 23:12
Wär schön gewesen Ihr hättet verschiedene Wasser und ihre Salzgehalte verglichen... Zuviel Salze sind als Weinbegleiter schlichtweg ungeeignet.
Felix
24. Januar 2016 um 11:52
Danke für die Anmerkung. Das ist ein sehr weites Feld: Hydrogencarbonate SIND Salze. Wenn Du mit Salz aber klassisches Speisesalz meinst – Natriumchlorid ist eher selten in purer Form in Mineralwasser vorhanden. Wie salzig ein Wasser schmeckt, hängt eher vom Natriumgehalt ab, da auch Hydrogencarbonate die Eigenschaft haben, sich die freien Natriumionen einzufangen und das dann entstehende Natriumhydrogenkarbonat sehr salzig schmeckt. Deswegen schmeckt beispielsweise Fachingen deutlich salziger als Selters, obwohl letzteres mehr als doppelt so viel Chlorid enthält – aber eben nur halb so viel Natrium und Hydrogencarbonate. Dass zu viel Salz als Weinbegleiter schlichtweg ungeeignet ist, ist wiederum Geschmacksache, wie die im Video geschilderte Kontroverse um das extrem salzig schmeckende Fachingen gut demonstriert.
Holger vom Supperclub Die WeinKüche
15. Januar 2016 um 14:19
Ihr nehmt sehr stark Bezug auf die Säure im Wein und die Wechselwirkung mit dem Wasser. Das gilt in jedem Fall für Weißweine mit den Geschmack betonende Säure, wie ja auch die stetigen Beispiele mit der Schorle zeigen. Wie aber ist es mit Rotwein und den darin gebundenen Bitter- und Gerbstoffen? Wie wirkt dieser mit dem Hydrocarbonat? Rotweinschorle ist ja nicht so verbreitet. Und ... braucht es hier Kohlensäure im Wasser?
Felix
15. Januar 2016 um 14:28
Gute Frage, stilles Wasser zur Rotweinschorle. Hmmm, wäre jetzt nicht so unser Lieblingsgetränk, es gilt aber auch hier: erlaubt ist, was gefällt. Zurück zur Säure: Rotwein hat meist nur 15 bis 20% weniger Säure als Weißwein, rot meist eine 5 vorm Komma (in g/l) und weiß eine 6 (lassen wir Riesling mal weg). Daher wirkt sich das fast genau so stark aus. Gerbstoffe dürften vor allem durch das Prickeln der Kohlensäure geschmacklich verstärkt werden. Wenn überhaupt, sollte man Rotweinschorle dann wohl mit sehr gerbstoffarmen Weinen machen.
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