Folge 33: Flaschengröße

Die Flaschengröße bei Wein beträgt für gewöhnlich 0,75 Liter Fassungsvermögen. Doch es gibt viele abweichende Größen und diese haben nicht nur dekorativen oder praktischen Charakter – die Flaschengröße hat Einfluss auf Wein, insbesondere auf dessen Reifeverhalten. 

Zum Thema Flaschengröße und Wein gleich eines vorweg: Großflaschen für Wein haben wohlklingende Namen, aber im Zeitalter des Smartphones muss niemand mehr die Namen von Weinflaschen auswendig lernen. Wir geben Euch hier eine kleine tabellarische Übersicht, aber Auswendiglernen ist unnötig!

Name Inhalt (Liter) Bemerkung
Pikkolo

0,2

Auch 0,25 Liter
Demi/Halbflasche

0,375

Eintel/Normalflasche

0,75

Vor 1971 in Deutschland 0,7 Liter
Magnum

1,5

Doppelmagnum

3

Beim Champagner Jeroboam genannt
Jeroboam

4,5

Seit Ende der 1970er mit 5,0 Litern Fassungsvermögen; beim Champagner Rehoboam genannt.
Methusalem

6

Heißt Imperiale, wenn als Bordeauxflasche geformt
Salmanazar

9

Ursprünglich nur für Burgunder und Champagner, jetzt für alle Flaschenformen gebräuchlich
Balthazar

12

Ursprünglich nur für Burgunder und Champagner, jetzt für alle Flaschenformen gebräuchlich
Nebukadnezar

15

Ursprünglich nur für Burgunder und Champagner, jetzt für alle Flaschenformen gebräuchlich
Melchior

18

Ursprünglich nur für Burgunder und Champagner, jetzt für alle Flaschenformen gebräuchlich

Einige der Namen hängen vom Flascheninhalt ab, wobei sich da eine gewisse Vereinfachung breit macht, heute dürft Ihr beispielsweise alle 9-Liter-Flaschen Salmanazar nennen, vor 20 Jahren hätte Euch da der eine oder andere Spießer noch hüstelnd korrigiert, dass die auf biblische Könige zurückgehenden Bezeichnungen der Großflaschen für Champagner und Burgunder reserviert seien. Auch die Unterscheidung Imperiale/Methusalem dürft Ihr vernachlässigen. Einzig die Unterscheidung der Jeroboam, die in der Champagne 3 Liter enthält, in Bordeaux aber 4,5 Liter (siehe Bemerkungen in der Tabelle), ist noch von Bedeutung.

Flaschengröße und Wein – die Reifung

Neben der manchmal sehr praktischen Konsequenz, dass Ihr seltener zum Korkenzieher greifen müsst, wenn Ihr viele Gäste habt, beeinflusst das größere Fassungsvermögen der Großflaschen auch das Reifeverhalten des Weines. Näherungsweise 75 Prozent langsamer reift eine Magnum verglichen mit der Normalflasche, noch größere Flaschen verzögern die Reifung weiter; kleine Flaschen sorgen für eine raschere Reifung, was auch sehr schön sein kann, wenn man bei besonders reifebedürftigen Weinen die Wartezeit verkürzen möchte. Die Art des Weines (Rebsorte, Farbe) spielt dabei auch eine Rolle, aber Pi mal Daumen dürft Ihr euch unsere Formel merken. Auch die Art und Weise, wie der Wein reift, verändert sich in der Großflasche. Es gibt kaum belastbare Untersuchungen dazu, aber fragt Ihr befreundete Weinfreaks nach ihren schönsten Weinerlebnissen, hört ihr neben dem Namen und Jahrgang der besten unter den besonderen Weinen überproportional häufig den Zusatz ‚aus der Magnum‘ (oder Doppelmagnum etc.) Wein reift ‚würdevoller‘ in Großflaschen.

Großflaschen – es gibt auch Zubehör

Flaschengröße WeinWenn Ihr Regelmäßig Großflaschen öffnet, solltet Ihr euch einen speziellen Korkenzieher zulegen, einen Federkorkenzieher. Das reguläre Kellnermesser reicht locker für die Doppelmagnum, bei der Nebukadnezar stößt es an seine Grenzen. Mit einer Flaschenwiege (auch Flaschenwippe oder Flaschenschaukel genannt) gelingt das Einschenken leichter.

Die Großflasche eignet sich übrigens auch prima als Gästebuch für Eure Hochzeit oder Euren runden Geburtstag. Wie im Video zu sehen, ist auf einer 12-Liter-Flasche locker Platz für 60 gute Wünsche und Unterschriften. Das Schöne ist, man kann die Gäste erst um ein Autogramm auf der Flasche bitten und diese dann mit allen Unterzeichnern gemeinsam leeren. Die leere Flasche ist dann ein schöner Dekorationsgegenstand (zumindest in einem Weintrinkerhaushalt), der Euch täglich an Euer Fest erinnert – besser als ein Buch, das im Regal verstaubt.

Kommentare (5)

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Müller
26. Juli 2020 um 18:50
Wie viel mehr Wein passt in einer 1 l Flasche im Vergleich zur 0,75 l Flasche in Prozent?
Felix
27. Juli 2020 um 12:57
33 Prozent mehr.
Stefan
18. Januar 2017 um 16:17
Es macht wirklich Spaß bei Euch in der Schule und ich habe auch schon freiwillig nachgesessen :-) Meine Frage passt hier wohl thematisch am besten hin, da es scheinbar keine eigene Folge dazu gibt. Es kommt ja mehr in Mode Weine auch in Weinschläuchen, bzw. Bag-in-Box zu verkaufen. Wenn man seinen Wein sowieso karraffiert, wäre dies eigentlich eine recht einfache und zudem auch umweltfreundliche Variante. Meine Frage ist, gibt es qualitativ hochwertige Weine in diesen Gebinden, oder kommen dafür eher Zechweine in Frage? Die Lagerfähigkeit sollte ja eigentlich nicht beeinträchtigt werden, oder? Liebe Grüße Stefan
Gottfried
28. Juli 2015 um 22:08
Ihr leert, wir leeren! :-) Super Spruch und sehr interessante Sendung - wieder einiges dazugelernt. Aber wie ist das denn eigentlich beim Schraubverschluss bei Normalflaschen? Denn der Wein darin reift ja auch entscheidend langsamer.. dann holt das 0,75l Format in Sachen Reifung doch wesentlich gegenüber Großformate auf?
Felix
07. August 2015 um 16:05
Gottfried, jein. Einerseits sicherlich, andererseits hat das Weingut Tesch gerade zur Probe geladen gehabt unter dem Motto 10 Jahre unter Schrauber und da zeigte sich, dass es eben Weine gibt, bei denen die Reifeverzögerung nicht so eklatant ist. Anders gesagt: Zwischen Flaschengröße und Reifeverzögerung gibt es ein quasi lineares Verhältnis, zwischen Verschlussart und Reifeverzögerung nicht, denn da kommt es extrem auf den Wein(-stil) an.
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