Folge 14: Weinsprache

Weinsprache sollte vor allem den Wein beschreiben und nicht dem Weintrinker als Mittel der Wichtigtuerei dienen. Dann dient sie einem wichtigen Zweck: der Definition Eures eigenen Geschmacks.

Wer Wein einfach nur trinken will, muss sich um Weinsprache keine Gedanken machen. Allerdings funktionieren wir Menschen ohne Sprache nur unzureichend. Wenn Ihr also Euren eigenen Geschmack erkunden wollt, bleibt Euch nichts anderes übrig als Eure Trinkerfahrungen systematisch auszuwerten und zu speichern – ob auf Papier, im Computer oder im Gedächtnis, bleibt Euch überlassen. Das geht einfacher, wenn Ihr Eure Eindrücke in Worte fasst – also irgendeine Form von Weinsprache verwendet. Solange Ihr euch mit niemandem austauschen wollt, könnt Ihr Eure Sinneswahrnehmung auch in Bildern, als Farben oder mit Fantasiebegriffen beschreiben. Da Ihr unsere Videos aber vermutlich mit dem festen Willen schaut, eines Tages einem Sommelier oder Weinhändler in wenigen Worten erklären zu können, wonach Euch der Sinn steht, bleibt nur die Sprache. Der kann mit dem Briefing ‚Ich hätte gerne einen leckeren Wein‘ oder ‚Mein Lieblingswein weckt bei mir immer die Assoziation von Dunkelgrün‘ nichts anfangen.

Weinsprache‚Die Verwendung einer eigenen Weinsprache ist unnötig. Alles was wir riechen und schmecken, können wir in normale Worte fassen. Wer sich einer eigenen Sprache bedient, macht sich wichtig.‘ Das ist ein gängiges Klischee und seine weite Verbreitung haben wir Weinfreaks uns selbst zuzuschreiben. Da, wo man andere durch die Verwendung einer überkandidelten Weinsprache ausgrenzt, wehren die sich meist, indem sie das als Wichtigtuerei abstempeln. Dabei ist es ganz normal, dass Menschen, die einer gemeinsamen Beschäftigung nachgehen, eine eigene Terminologie verwenden, egal ob Ärzte oder Angler. Um Konflikten aus dem Weg zu gehen, halten wir es mit der Weinsprache so: Da wo wir mit Freaks an einem Tisch sitze, benutzen wir das volle Programm, mit Laien halten wir uns an normales Deutsch.

Weinsprache trägt zur Klarheit bei

Viele Weineigenschaften beschreiben wir mit normalen Worten und empfehlen Euch, es uns gleich zu tun. Wenn ein Wein so absurd fruchtig daher kommt, dass es einfach zu viel ist, dann könnt Ihr gerne sagen, der ist marmeladig. Das Fachwort aus der Weinsprache, ‚überextrahiert‘ geht auch, marmeladig klingt aber gemeiner und das ist gut so, schließlich schimpfen wir gerade. Aber einige Begriffe der allgemeinen Sprache eignen sich für Weinbeschreibungen nicht, weil sie zu ungenau sind. Viele Weine kratzen auf der Zunge, am Gaumen oder im Abgang. Das kann furchtbar nerven und unglaublich animieren. Einige der besten Weine kratzen, dass es eine wahre Freude ist und die schlechtesten kratzen, dass man sich schütteln möchte. Also ist das Wort ‚Kratzen‘ nur mit vielen Zusätzen brauchbar und als Universalbegriff der Weinsprache ungeeignet. Um ein angenehmes Kratzen dank ‚seidigem Tannin‘ (also in Rotwein unbedingt gewünschtem feinen Gerbstoffen) von einem unangenehmen Kratzen zu unterscheiden, wie es etwa Gerbstoffe aus unreifen Trauben hervorrufen, können wir viele Worte machen oder einfach sagen: ‚Seidiges Tannin‘ (gut) und ‚Grüne Noten‘ (schlecht). Das ist zwar Weinsprache aber nicht völlig abgehoben. Und der Eingeweihte versteht sofort, wovon wir reden, ohne dass der Außenstehende uns für bekloppt hält.

Hier geht’s zum zweiten Teil über Weinsprache, der sich mit dem Thema Körper und Mundgefühl beschäftigt.

Und hier zum dritten Teil – unter anderem mit den Themen Alkohol und Abgang , der das Thema abschließt.

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