Folge 40: Die Weinflasche

Die Weinflasche ist mehr als nur eine praktische Erfindung, sie ist ein Meilenstein in der Entwicklungsgeschichte des Weines, denn erst mit ihrer Erfindung konnte Wein steril und dauerhaft luftdicht verschlossen aufbewahrt werden. Doch was hat es mit den verschiedenen Formen von Weinflaschen auf sich?

Eine Weinflasche kann leicht oder schwer, dick oder dünn, hoch oder gedrungen sein. Manche Weinflaschen haben einen eigenen Namen, einige sind als Geschmacksmuster geschützt und wenige sind sogar gesetzlich definiert. Zeit ein wenig Ordnung ins Gewühl zu bringen, in einer Folge der Weinschule, die wir auf Anregung von Euch produziert haben.

Weinflaschen SchlegelflascheWeinflasche – nur selten mit Pfand

Weinflaschen sind Einwegflaschen. Manche Winzer nehmen eine Weinflasche gegen eine Erstattung von 5 Cent zurück, doch dies tun immer weniger. Der Grund ist ganz einfach: Da viele hochwertige Weine und somit Weinflaschen längere Zeit im Weinkeller lagern, sind die Winzer in den letzten Jahren dazu übergegangen, sehr robuste und feuchtigkeitsresistente selbstklebende Weinetiketten zu verwenden. Damit ist die Reinigung der gebrauchten Weinflasche vor einer möglichen Wiederverwendung so schwierig geworden, dass sie sich nicht rechnet. Bei Sektflaschen ist die Mehrfachverwendung aus Sicherheitsgründen sogar untersagt.

In Deutschland geläufig ist unter anderem die Schlegelflasche, die vor allem für Riesling eingesetzt wird und auch in Österreich und dem Elsass zum Einsatz kommt. Früher unterschieden sich die Flaschen nach Anbaugebiet, die Mosel verwendete grüne, die rheinischen Gebiete braune Weinflaschen, doch diese Unterscheidung handhaben Produzenten schon lange nicht mehr so streng, außerdem kommen auch weiße und blaue Schlegelflaschen zum Einsatz – die Weinflasche verrät nur noch wenig über die Herkunft des Weines.

BurgunderflascheWeltweit populär ist die Bordeaux-Flasche mit Ihren charakteristischen ‚Schultern‘. Diese sind bei raren alten Weinen auch ein Maß für die Güte eines Exemplars. Den altersbedingte Schwund misst man als Höhe des Flüssigkeitsspiegels gemessen an den Schultern. Mit Bezeichnungen wie ‚mid-shoulder‘ oder ‚top-shoulder’ sowie ‚into neck‘, wenn der Wein noch bis in den Flaschenhals reicht, geben Auktionshäuser den Füllstand von Weinen an. Die Bordeaux-Flasche kommt quasi überall auf der Welt zum Einsatz. Ihre Verwendung ist für viele Appellationen des Bordelais zwingend vorgeschrieben. Auch die italienischen Spitzenweine der DOCG Brunello di Montalcino müssen zwingend in diese Flasche gefüllt werden. Die andere bedeutende Flasche französischen Ursprungs ist die Burgunderflasche, die überall auf der Welt Verwendung findet. Diese Weinflasche hat in einigen Gegenden eine eigene Prägung, etwa in den besseren AOCs der Rhone oder optional bei Barolo. Im Burgund ist sie selbstverständlich und weltweit kann man sagen, dass Produzenten, die ihren Pinot Noir lieben, ihn niemals in eine andere Weinflasche füllen würden.

BocksbeutelRegionale Spezialitäten – Welch ein Fiasko

Weinflaschen, die nicht an Schlegel-, Bordeaux- oder Burgunderflaschen angelehnt sind, folgen im Design meist der klassischen ‚Keulenflasche‘, die in ihrer reinsten Form für Portwein steht. Hier gibt es auch eine genormte Variante, die ‚Sachsenkeule‘, die ursprünglich im Anbaugebiet Sachsen Identität stiften sollte, sich aber letztlich nicht durchsetzen konnte. Identitätsstiftend sind dafür einige andere regionale Spezialitäten, etwas die Flasche mit dem Bastkörbchen: die ‚Fiasco‘ für den Chianti oder die geschliffene Rheingauflöte. Und dann gibt es noch den Bocksbeutel, den sich das Weinanbaugebiet Franken nach einem verlorenen Prozess vor dem Europäischen Gerichtshof auf Ewig mit den Portugiesen teilen muss. Dafür haben sich die Franken jetzt eine gestylte Version gegönnt, die schwer nach 21. Jahrhundert aussieht.

Wenn Ihr auch ein Thema habt, das Ihr für geeignet haltet eine eigene Folge darüber zu drehen, hinterlasst uns doch einen Kommentar.

Kommentare (5)

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Lothar Jung
03. Oktober 2018 um 21:50
Hat die Wölbung des Bodens etwas mit der Qualität des Weines zu tun? Vielen Dank für die Antwort
Felix
03. Oktober 2018 um 22:36
Nein, dient wohl nur der Stabilität.
Moritz
06. Januar 2017 um 16:33
Liebes Team der Webweinschule. Ich bin ein großer Fan eurer Videos und muss sagen, dass Sie mir persönlich sehr geholfen haben, sich auf die Prüfungsfragen des Weinfachmannes IHK vorzubereiten. Jedoch würde ich mir sehr gerne eine Folge über die Rebsorte: Lemberger oder Trollinger wünschen. Die Rebsorten sind hier sehr beliebt, so dass auch einmal über das Weinbauangebiet: Württemberg gesprochen wird, wenn schon der Silvaner vorgestellt wird. Vielleicht lässt sich beim Lemberger auch noch eine Brücke zum Blaufränkisch nach Österreich schlagen. Mit freundlichen Grüßen aus Stuttgart. Ihr Moritz Rassweiler
Moritz
19. Januar 2017 um 14:14
Sehr geehrter Herr Bodmann, diese Idee gefällt mir sehr gut.
Felix
09. Januar 2017 um 19:10
Lieber Moritz, den Blaufränkisch/Lemberger werden wir sicher machen. Mit dem Trollinger haben wir unsere Not. Niemand muss sich rechtfertigen, wenn er das mag und wer sind wir, dass wir darüber urteilen (tun wir nicht). Aber dann müssen wir auch noch eine Folge über Gutedel machen und über Elbling, Goldriesling, Portugieser etc.pp. und dann haben wir uns irgendwann verrannt in eine Reihe im größeren Bild wirklich unbedeutender Sorten. Vielleicht feiern wir die einfach mal alle am Stück in einer Folge ab: Regionale Spezialitäten.
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