Folge 44: Sauvignon Blanc

Sauvignon Blanc ist eine extrem populäre Rebsorte, über die es eine Menge zu erzählen gibt. Was sie mit Kartoffeln und Katzen zu tun hat, erfahrt Ihr in der Webweinschule. 

Der Sauvignon Blanc ist eine weltweit verbreitete Rebsorte, die in quasi sämtlichen Weinbauländern in signifikanten Mengen steht, sogar in Deutschland. Hierzulande belegt der Sauvignon Blanc derzeit zwar keine 2 Prozent der Rebfläche, die verteilen sich aber auf über 500 Erzeuger und bei den Neuanpflanzungen steht der Sauvignon Blanc deutlich weiter oben in den Ranglisten. Die Rebsorte ist auch in Deutschland trendy.

Ihre Herkunft ist nicht mit letzter Sicherheit bestimmt, sehr wahrscheinlich steht die Wiege des Sauvignon Blanc’ aber im Loire-Tal, wo die Rebsorte auch auf den Namen Blanc Fumé hört, in Anspielung an ihren Feuersteinduft, den viele der dort erzeugten Weine aus dioeser Rebsorte zeigen. Gesichert ist aber, dass es sich beim Sauvignon Blanc um eine natürliche Kreuzung aus Traminer und Chenin Blanc handelt.

Sauvignon Blanc und die Sache mit der Katze

Chateau de Sancerre Sauvignon BlancDer Sauvignon besticht durch einige sehr kräftige Aromen in der Nase, die es leicht machen ihn am Duft zu erkennen. Zum Einen enthält die Sorte häufig eine Menge Pyrazine, die wir auch aus rohen Kartoffeln, grünen Bohnen oder grünem Spargel kennen. Der Duft erinnert auch ein bisschen an frisch geschnittenes Gras (als wenn man hinter dem Rasenmäher herläuft), weswegen die allermeisten Weintrinker beim Genuss von Sauvignon Blanc mit hoher Wahrscheinlichkeit an die Farbe grün denken. Auch hat dieser Aromenmix häufig eine Anmutung von Unreife (vermutlich, weil dieser Duft bei den genannten Gemüsesorten nach dem Kochen verschwindet). Das tut der Popularität des Sauvignon Blancs aber keinen Abbruch. Anders verhält es sich mit einem anderen Inhaltsstoff, dem 4MMP abgekürzten Molekül, das in geringen Dosen nach Stachelbeere und Johannisbeere riecht, in höheren Dosen jedoch nach Katzenurin. In Folge 12 haben wir schon einmal darüber gesprochen, dass der Begriff Katzenpisse durchaus zur Weinsprache gehört. Der Sauvignon Blanc ist die einzige Rebsorte mit internationaler Verbreitung, der eine Konzentration von 4MMP aufweisen kann, die diese negative Geruchsassoziation hervorruft. Die deutsche Spezialität Scheurebe kann das auch, weswegen sie hierzulande gelegentlich als deutscher Sauvignon bezeichnet wird. Es gibt Weintrinker, die jede Lust am Wein verlieren, wenn sie diesen Duft im Glas feststellen.

Wofür steht Sauvignon Blanc?

Bei einer Sorte, die überall auf der Welt wächst, findet Ihr auch alle Arten von Wein, die irgendjemand irgendwo mehr oder weniger erfolgreich aus ihnen rauskitzelt. Das sind dann aber die Ausnahmen, die folgende Regeln bestätigen: Beim traditionellem flaschenvergorenen Schaumwein spielt Sauvignon Blanc kaum eine Rolle, er ist nicht einmal in seiner Heimat an der Loire für den berühmten Crémant de Loire zugelassen, wohl aber als Juniorpartner des Semillon beim Crémant de Bordeaux. In dieser Cuvée mit Semillon steht er auch für die berühmten Süßweine Frankreichs, etwa den Barsac oder Sauternes, und in trocken für eine kleine feine weiße Spitze des Gebietes Bordeaux insbesondere in Graves. Ansonsten ist seine Domäne der trockene, frische Weißwein ohne Holzfassausbau oder malolaktische Gärung. Orange Wine vom Sauvignon Blanc gibt es, was wir bisher im Glas hatten, hat uns aber nicht umgehauen.

Wer sich der Rebsorte nähern will, der braucht sich im ersten Schritt nur zwei Weine zu besorgen, denn den einfachen sortenreinen Zechwein hat jeder, der sich für Wein interessiert, schon einmal im Glas gehabt, ist er doch der populärste Wein im Offenausschank der Durchschnittsgastronomie. Einen etwas anspruchsvolleren Sauvignon Blanc aus Neuseeland, Chile oder Südafrika findet Ihr für 10-12 Euro beim Weinhändler Eures Vertrauens. Außerdem solltet Ihr einmal einen Sauvignon Blanc von der Loire trinken, entweder aus der Appellation Pouilly Fumé oder Sancerre, ein Vergnügen, das mit 20 Euro der etwas mehr zu Buche schlägt. Danach fragt Ihr Euren Händler nach einem Sauvignon Blanc aus Holzfassausbau. Und wenn das für Euch eine angenehme Erfahrung ist, dann solltet Ihr Euch mit den ambitionierten Erzeugern Neuseelands auseinandersetzen. Nirgendwo außerhalb Frankreichs verwenden Winzer im großen Stil so viel Sorgfalt auf Weine aus dieser Rebsorte. Im kleineren Rahmen bewegt sich die Steiermark, die so eine Art Geheimtipp in Sachen Sauvignon Blanc darstellt.

Silex, Zieregg und der Pavillon

Tement Zieregg Sauvignon BlancDer teuerste Sauvignon Blanc der Welt dürfte der Pavillon Blanc von Chateau Margaux sein. Er hat seine jüngste Preissteigerung allerdings vor allem im Windschatten des großen roten Bruders, Chateau Margaux, erzielt und löst bei uns keine Kaufreflexe aus. Mit knapp Hundert Euro etwas günstiger, aber vermutlich noch berühmter ist der Silex von Daguenau, der aus der Appellation Pouilly Fumé stammt. Als Aufsteiger in die Sauvignon-Blanc-Weltspitze zählt Armin Tement, der mit seinem steirischen Sauvignon Blanc aus der Lage Zieregg an 50 Euro kratzt. Das ist ein Wein der nach dem Erscheinen etliche Jahre Flaschenreife benötigt, die Geduld dann aber belohnt. Hier sprechen wir aus eigener Erfahrung, haben wir doch schon viele Jahrgänge des Weines auch parallel verkostet. Trotzdem gilt wie immer: die Investition in Kultweine lohnt nur für den, der alle unsere Tipps zu Einsteigerweinen durchprobiert und seine Liebe zur Rebsorte entdeckt hat.

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