Folge 6: Rotwein

Auch Rotwein kann man in ein paar handliche Kategorien einteilen. Anja erklärt Euch, was die einfachsten Kriterien sind, nach denen Ihr Rotwein unterscheiden könnt.

Die erste Kategorie Rotwein, rote Zechweine, spielt nicht die gleiche Rolle wie bei den weißen Weinen aber es gibt sie. Der berühmteste simple Rote ist der einfache Beaujolais, aus der Gamay-Traube gekeltert. Die Italiener haben diverse Rotweine dieser Kategorie im Programm, darunter den Valpolicella und den Dolcetto. Aus all diesen Rotweinen kann man mit viel Mühe auch besseren Wein gewinnen. Das ist beim Vernatsch (bitte nicht mit Vernaccia verwechseln) kaum möglich. Diese Rebsorte ist auch bei uns heimisch und wir nennen sie Trollinger. Außerhalb Stuttgarter Weinfeste dürft Ihr den nur trinken, wenn niemand zuguckt. Da sind wir intolerant (und ignorieren die dreieinhalb guten Trollinger, die es auf der Welt gibt, außer von diesem besonderen Weingut). Für rote Zechweine gilt ebenfalls: jung trinken, gekühlt (aber nicht kalt) genießen, geht solo oder mit leichten Speisen.

Seidiger Rotwein aus Deutschland

Die drei anderen Rotweinkategorien unterscheiden sich vor allem durch den Tanningehalt ihrer Weine. Das ist der Stoff, der dafür sorgt, dass die Zunge beim Genuss von Rotwein pelzig wird. Anders als beim Weißwein kann man beim Rotwein aus den Seidiger Rotweinwenigsten Rebsorten Weine mehrerer Kategorien keltern, da der Tanningehalt wesentlich von der Rebsorte bestimmt wird, vor allem von der Dicke der Schale. Dünnschalige Trauben wie der Spätburgunder, international Pinot (Noir) genannt, und der italienische Sangiovese ergeben Weine, die eher als ‚seidig‘ gelten. Das ist nicht negativ gemeint. Auch sie rauen den Mund ein wenig an, sind aber strukturell obendrein von ihrer Säure geprägt. Wenn Ihr je den Spruch hört, jemand liebe Rotweine mit der Struktur großer Weißweine, habt Ihr im Zweifelsfall einen Liebhaber von Pinot und Sangiovese vor Euch. Rote Burgunder, der berühmte Brunello und der Chianti gehören in diese Kategorie, ebenso wie österreichische Blau- und deutsche Spätburgunder. Innerhalb der Kategorie gibt es erhebliche Preis- und Qualitätsunterschiede, aber das gilt für alle Rotweine außer den Zechweinen.

Mollige Wuchtbrummen – zum Beispiel aus Italien

Die beiden anderen Kategorien sind häufig deutlich wuchtiger, wenngleich sich das nicht zwangsläufig in Alkoholwerten niederschlägt. Die molligen Wuchtbrummen, wie wir sie für den Moment nennen wollen, stellen die dritte Kategorie Rotwein dar und es handelt sich um dichte Weine mit mittlerem Tannin, mäßiger Säure und viel Frucht. Der Merlot spielt vielfach eine gewichtige Rolle in solchen Weinen und diese Kategorie hat auch die stärkste Tendenz zu hohen Alkoholwerten. Der Geschmack ist jedoch von süßer Frucht dominiert und die puffert alles ab, was da an Alkohol, Säure oder Gerbstoff stören könnte, weswegen diese Weine häufig everybody’s darling sind. Wenn der Winzer sein Handwerk nicht beherrscht, geht der Wein allerdings in Richtung Trinkmarmelade. Ob das was für Euch ist, stellt Ihr schnell fest. Liebe auf den zweiten Blick kommt unserer Erfahrung nach bei den üppigen Rotweinen eher selten vor.

Abteilung Attacke – Cabernet Sauvignon

Die letzte Kategorie zeigt die meisten Gerbstoffe. Die Rotweine der ‚Abteilung Attacke‘, wie wir sie scherzhaft nennen, paaren ihre üppige Frucht mit jeder Menge Gerbstoff und Tannin. Bei den schwächeren Exemplaren entsteht schnell der Eindruck, man könne damit Eisen sandstrahlen, so heftig kratzt das Tannin im Mund. Cabernet Sauvignon ist häufig eine dominierende Rebsorte in dieser Kategorie, aber auch die roten Sorten der Rhone, Grenache, Syrah und Mourvedre finden sich in ihr. Syrah möchten wir jedoch unterstellen, dass man daraus auch prima mollige Wuchtbrummen keltern kann – Ausnahmen bestätigen halt in der Weinwelt fast jede Regel. Kategorie vier versammelt die berühmtesten Namen (außer den Burgundern) in ihren Reihen: Chateauneuf-du-Pape, Hermitage, oder berühmte Bordeaux wie Chateau Mouton-Rothschild, Chateau Latour und viele weitere mehr sind jedem schon mal irgendwo begegnet. Bordeaux Wer jemals einen dieser Weine jung getrunken hat (was man auf keinen Fall tun soll, außer um die Erfahrung zu machen), der weiß, dass auch sie in ihrer Jugend aggressiv sind. Aber das schöne an Tannin ist, dass es sich mit der Zeit integriert, abschwächt, teilweise ausfällt (weswegen alte Weine Bodensatz, das sogenannte Depot, in der Flasche haben) und geschmacklich zurücktritt. Die dann einsetzende Verwandlung ist die Basis für den Ruhm dieser Weingüter. Ein billiger Cabernet nimmt leider eine andere Entwicklung. Wenn bei ihm das Tannin ‚abgeschmolzen‘ (wie manche sagen) ist, hat sich auch alles andere verabschiedet, was den Rotwein einst ausmachte. Die großen, intensiven (weil ertragsreduzierten) Rotweine haben dann noch alle möglichen Aromen in Petto.

Selber machen: Wer mit dem Weinpaket der Webweinschule arbeitet, greift zu den Weinen 8, 9 und 11. Sonst kauft Euch einen Spätburgunder aus Deutschland, einen cabernet-lastigen Bordeaux oder reinsortigen Cabernet Sauvignon (Euer Weinhändler hilft) und einen italienischen Merlot (bitte keinen ganz billigen) oder Primitivo.  Öffnet alle drei, testet wild durcheinander und lasst Euch die drei dann blind servieren. Ihr werdet erfolgreich den Inhalt der Gläser bestimmen. Das geht ohne Vorkenntnisse.

Was trinken wir dazu? Nach der Testerei unserer drei Kandidaten schnappen wir uns den, der uns am besten gefallen hat und leeren genüsslich ein letztes Glas Rotwein, während wir die Folge 6 noch einmal schauen.

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