Folge 76: Ribera del Duero

Ribera del Duero ist ein spanisches Weinanbaugebiet mit bewegter Geschichte: Für viele ist es der Inbegriff einer Newcomer-Region, in der moderne Blockbuster entstehen. Das ist aber zu simpel, wenn man sich die Vergangenheit genauer anschaut.

Ribera del Duero ist die Herkunft einiger der teuersten und berühmtesten Weine Spaniens, vor allem aber ist Ribera del Duero ein Gebiet mit enorm hoher Durchschnittsqualität. Das liegt vermutlich daran, dass die Produzenten der Region nah am Abgrund standen, als sie gemeinsam den Umbruch angingen und eine erstaunliche Erfolgsgeschichte schrieben. Aber der Reihe nach…

Ribera del Duero – Klima der Extreme

Rund 150 Kilometer nördlich von Madrid in der Provinz Kastilien und Leon liegt das Ribera del Duero am Fluss Duero. Dieser ist in der Weinwelt auch als Douro bekannt, was aber den portugiesischen Abschnitt bezeichnet. Der Duero ist ein besonderer Fluss. Zum einen fließt er fast von der Quelle bis zur Mündung durch Rebland, zum anderen überwindet er auf weniger als 900 Kilometer Länge 2200 Höhenmeter. Das merkt man auch im Ribera, denn das geht im Osten rauf in extreme Höhenlagen bis über 1000 Meter und im Westen runter auf bis zu 700. Der Großteil der Reben steht auf 700 bis 850 Meter.

Rosé Barrique RiberaZiemlich weit weg vom Meer und ziemlich hoch: das führt zu extremen Klimabedingungen. Die Durchschnitttemperatur liegt im Winter unter vier Grad. Das Thermometer fällt im Dezember vereinzelt bis auf minus 20 Grad. Im Gesamtjahr gibt es mehr Tage mit Frost als ohne! Im Sommer wiederum Tageshöchsttemperaturen regelmäßig bei 40 Grad, aber eine durchschnittliche Tag-Nachtdifferenz von über 20 Grad. An extremen Tagen im Juli herrschen mittags 40 und um Mitternacht 10 Grad.

Wasser ist Mangelware, 450 mm Niederschlag im Jahresmittel sind zwar unproblematisch, aber leider kommt fast nichts davon im Sommer. Ob Weinbau möglich ist, hängt jeweils von den Böden ab und wie sie Wasser speichern.

Auf insgesamt rund 23.000 Hektar findet Weinbau statt in einem Gebiet mit einer Länge von 115 Kilometer und 35 Kilometer Breite. Tempranillo nimmt ungefähr 95 Prozent der Fläche ein, wird aber hier bevorzugt Tinta del Pais oder auch Tinto Fino genannt. Daneben wächst ein bisschen Cabernet, Garnacha, also Grenache, Malbec, Merlot und als weiße Rebsorte Albillo Real. Die roten DO-Weine bestehen immer zu mindestens 75 Prozent aus Tempranillo. Die anderen Rebsorten sind nur Verschnittpartner. 

Die Auferstehung des Ribera

1972 wurde in Baños de Valdearados ein römisches Mosaik gefunden, das belegt: schon seit 2000 Jahren wird im Ribera Wein angebaut. Andere Funde bei Ausgrabungen legen sogar nahe, dass es schon 2500 Jahre sind. Einen richtigen Boom erlebte die Gegend zur Zeit der Reconquista, denn gegen Ende des ersten Jahrtausends nach Christus war der Duero längere Zeit die Grenze zwischen dem christlichen und dem maurischen Spanien, abgesichert durch jede Menge Klöster mit jeder menge Mönchen und die betrieben jede Menge Weinbau.

Das erklärt vielleicht, warum sich der Weinbau in einer Gegend durchgesetzt hat, die durch die kurze frostfreie Periode und die gnadenlose Hitze und Trockenheit im Sommer reichlich Risiken für den Weinbau bereit hält. Bis 1982 schrumpfte die Fläche in der D.O. auf 6.000 Hektar, es gab nur noch 3000 Bauern, die ihre kleinen Parzellen bewirtschafteten, und nur noch 9 Kellereien, die ihnen die Trauben abkauften, plus vier Weingüter. Aber unter diesen befand sich das wohl berühmteste Weingut Spaniens: Vega Sicilia. Und um das scharten sich die verbliebenen Akteure und man gründete die DO Ribera del Duero. Dann begann ein kleines Weinwunder. Und 35 Jahre später standen wieder Reben auf 23.000 Hektar.

Crianza Ribera del Duero PesqueraDabei ist die alte Struktur erhalten geblieben: Weinbauern produzieren Trauben und verkaufen diese an Kellereien, die den Wein produzieren. Es gibt im ganzen Gebiet keine 50 Betriebe mit mehr als 50 Hektar, aber über 8000 mit weniger als 10, davon 3000 mit weniger als einem Hektar. Das Märchen von der Weinindustrie, die mit riesigen Maschinen riesige Flächen bewirtschaftet ist eben genau das: ein Märchen. 80 Prozent der Trauben in der D.O. werden von Hand gelesen. Diese Trennung von Trauben- und Weinproduktion ist in Deutschland unüblich, in anderen Teilen der Welt aber ziemlich verbreitet.

Wein vom Duero-Ufer: Kraftvoll!

Ribera del Duero steht für Kraft! Aber auch für Rosé –und seit der Ernte 2019 sogar für weiß. Und für eine klassische spanische Klassifikation: Joven, Crianza, Reserva, Gran Reserva. Rosés müssen nach der Klassifikation nur zu mindestens 50 Prozent aus den zugelassenen roten Rebsorten des Gebietes bestehen. Große Besonderheit: im Ribera ist die Mischung von Rot und Weiß für Rosé erlaubt.

Die Säure eher niedrig, der Alkohol eher hoch, was für deutlichen Druck sorgt. Schon beim Rosé, noch mehr aber beim Rotwein. Man erkennt die Qualitätsstufe auf dem Rückenetikett. Rosa steht für jungen Wein, entweder als Joven oder Cosecha, was schlicht Jahrgang heißt. Diese Weine können im Edelstahl oder im Holzfass entstehen. Für alle anderen Qualitätsstufen ist der Holzfass-Ausbau vorgeschrieben.

Die nächst höhere Qualität heißt Crianza. Im Ribera steht das für mindestens zwei Jahre Reife, davon mindestens eines im Holz, den Rest in der Flasche. Die durchschnittliche Crianza kostet zwischen zwölf und zwanzig Euro, denn Ribera del Duero ist eher hochpreisig. Das ist durchaus der großen Nachfrage geschuldet. Das Gebiet boomt. Davon profitieren aber wirklich alle, denn die Traubenpreise im Ribera sind die teuersten in Spanien. Die bäuerlichen Erzeuger kriegen richtig Geld für ihre Arbeit. 2 bis 3 Euro pro Kilo in normalen Jahren, das ist zirka zehn mal mehr als in Süditalien, wo der beliebte Primitivo herkommt.

Ribere del Duero: Reserva, Gran Reserva, Vinos de Autor

Klassifikation Ribera del DueroMindestens drei Jahre reift die Reserva fünf sogar die Gran Reserva, davon mindestens eines im Barrique, ber der Gran Reserva sind es zwei. Der Aufenthalt im Fass darf auch länger sein. Den Rest der Zeit reift der Wein in der Flasche. Erstaunlicherweise finden die klassischen Bezeichnungen nicht mehr so Oft Verwendung. Einerseits sind viele Winzer im Gebiet eher konservativ – Natural Wine und andere wilde Sachen finden kaum statt, andererseits verzichten viele Erzeuger bei ihren Top-Weinen auf die traditionellen Bezeichnungen Reserva und Gran Reserva. Viele verzichten nicht nur auf die Bezeichnung, sondern auch auf den ewig langen Fassausbau. Viele Spitzenweine kommen im zweiten oder dritten Jahr nach der Ernte auf den Markt. Diese Weine tragen das einfach rosa Rückenetikett und werden ‚Vinos de Autor‘ genannt.

Eine große Revolution war tatsächlich die Zulassung von Weißwein aus Albillo Real, 37 Jahre nach Gründung der DO. Bei rund 2 Prozent Albillo im Gebiet wird das exotisch bleiben und sehr hochpreisig, aber es hat sicherlich Zukunft. Kultweine finden sich im Ribera del Duero reichlich. Zum einen die pure Tradition bei Vega Sicilia, die mit dem Unico einen der großen Weine der Welt produzieren. Dann Peter Sissek, gebürtiger Däne, der das Gebiet sehr geprägt hat. Unter anderem mit dem Pingus. Eigentlich ist er aber Weinmacher bei Hacienda Monasterio, deren Reserva auch zu den Ikonen des Gebietes gehört. Bodegas Aalto ist mit dem Aalto PS so etwas wie ein internationaler Kult-Markenwein gelungen, gibt es auch nicht so häufig. Und diese Liste ließe sich noch eine ganze Weile fortsetzen

Habt Ihr Lust auf Ribera del Duero bekommen? Wir machen am ersten Advent eine Online-Verkostung, zu der Ihr Euch ein Paket bestelen könnt. Und auch nach der Verkostung könnt Ihr mit dem Video zur Probe noch dabei sein. Mehr Infos findet Ihr hier.

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