Weinschule Folge 45: Merlot

Merlot gilt als Edelrebsorte und als Langweiler. Wie passt das zusammen? Wir starten den Erklärungsversuch. 

Merlot ist einer der sieben ‚Cepage Noble‘ oder edlen Rebsorten (neben Cabernet Sauvignon, Syrah, Spätburgunder, Riesling, Sauvignon Blanc und Chardonnay). Von der Anbaufläche gehört Merlot ebenfalls zur Weltspitze – und trotzdem wird er das Image des Langweilers nicht los. Der Film Sideways, in dem eine der Hauptrollen mit dem Ausbruch ‚if anyone orders Merlot, I’m leaving. I am NOT drinking any fucking Merlot!‘ für eine der eindrücklichsten Szenen sorgt, hat daran vermutlich immer noch Anteil, das Meer an belanglosen Merlots aber einen noch viel größeren, aber der Reihe nach.

Merlot stammt aus dem Bordelais, wo er im 14. Jahrhundert erstmalig erwähnt wurde und als natürliche Kreuzung aus Cabernet Franc und Magdeleine Noire des Charentes entstanden ist. Er treibt früh aus, ist jedoch eher spät reifend (anders als versehentlich im Video gesagt), erreicht die Reife nach dem Pinot aber vor dem Cabernet. Er verträgt Hitze, benötigt dieses jedoch nicht zwingend, wird auch in wärmeren Ecken Deutschlands reif.

Merlot der Schmeichler – selbst in kleinen Dosen

Zu den vornehmsten Eigenschaften des Merlot zählt seine Fähigkeit in der Cuvée mit sperrigeren Rebsorten für Harmonie, Weichheit und Gefälligkeit zu sorgen, selbst wenn er nur mit 5-15% im Wein vertreten ist. Deswegen ist es mittlerweile in vielen Ecken der Welt gestattet, kleinere Mengen Merlot zu andererseits sehr lokal geprägten Weinen, wie beispielsweise dem Toskanischen Chianti hinzuzugeben. Umgekehrt verhält es sich ähnlich: um dem manchmal zu weichen Merlot etwas Kontur zu verleihen, reichen oft ein paar Prozent Cabernet Franc oder ähnliches. Der berühmteste Merlot, der Chateau Petrus aus Pomerol enthält in vielen Jahren bis zu 5 Prozent davon. Sorgfältige Arbeit vermag den Merlot in einen Klassewein zu verwandeln, in der absoluten Weltspitze tummeln sich denn auch zwei Merlot, neben dem erwähnten Petrus noch der Masseto aus der Toskana. Doch normalerweise hat Merlot seinen großen Auftritt als Cuvéepartner des Cabernet Sauvignon in den großen Bordeaux-Cuvées, die längst nicht mehr nur aus dem Bordelais kommen, sondern auch aus Südafrika, Chile und Kalifornien.

Weinschule MerlotUm Euch ein Bild vom Merlot zu machen, solltet Ihr euch einen etwas besseren Merlot aus Übersee besorgen. Die ganz einfachen Qualitäten habt Ihr im Zweifelsfall eh schon im Glas gehabt, denn die ‚leckere‘ aber etwas banale Variante mit gefälligem Mon-Cherie-Geschmack gehört zu den populären Kandidaten für den Offen-Ausschank in der Gastronomie. Einen ordentlichen Vertreter gekommt Ihr für 8 bis 12 Euro. Wenn Euch das gefällt, dann könnt Ihr den Weinhändler Eures Vertrauens einmal nach einer Merlot-dominierten Bordeaux-Cuvée fragen. Die muss tatsächlich nicht teuer sein, einer unserer Favoriten wäre zum Beispiel Chateau Rollan de By. Wenn Euch das gefällt, habt Ihr insbesondere am ‚rechten Ufer‘ im Bordelais eine riesige Auswahl.

Kommentare (1)

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Frederik
12. September 2016 um 14:48
Hallo, spannende Folge! Großes Kompliment, ich kenne kaum einen Blog, der sich so diffenrenziert mit Wein auseinandersetzt. Hut ab! :) Merlot schätze ich zudem sehr - eine der besten Rebsorten, wenn es nach mir geht. Empfehlung für die anderen Leser: Ein guter Überblick über Merlot allgemein findet sich zudem hier: meine-weinwelt.com/merlot/ Prost und einen angenehmen Montag! Frederik
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