Folge 79: Côtes du Rhône

Sie gehören zu den verlässlichsten Weinen unter Frankreichs Roten, doch es gibt sie auch in Rosé und Weiß. Côtes du Rhône ist dabei mehr als nur ein Wein. Es ist der vielfältige Ausdruck spannenden Terroirs und die hohe Kunst des Verschnitts. Eine Einführung.

Côtes du Rhône ist eine Familie von Weinen aus dem Tal der Rhône, eines Flusses, der im Schweizer Wallis entspringt und bei Marseille ins Mittelmeer mündet. Das Rhônetal als Ganzes sollte man eher als Anbau-Region denn als Anbaugebiet begreifen. Als Anbaugebiete unterscheidet man typischerweise zwischen Nordrhône und Südrhône. Die Grenze liegt ungefähr bei Montélimar. Der Süden ist deutlich mediterraner, der Norden von kontinentalen Einflüssen und kühlenden Winden aus dem Zentralmassiv geprägt. Dazu ist im Norden das Tal schmaler, die Böden sind vulkanischen Ursprungs und Granit herrscht vor, während der Süden eher Kalk, Lehm und Sand zeigt.

Klima an der Rhône: Sonne pur

Das Klima ist nicht sehr einheitlich. Reben stehen von Vienne bis Avignon auf 200 Kilometer von Nord nach Süd mit extremer Temperaturentwicklungen. Das zeigt sich auch an den Rebsorten, besonders den roten: Im Norden starten wir mit Hundert Prozent Syrah und je weiter man in den Süden kommt, desto mehr übernehmen die klassischen Mittelmeertrauben Grenache und Mourvedre. Das jeweilige Mikroklima spielt an der Rhône eine wichtige Rolle. Doch allen Teilstücken ist gemein, dass wir uns in einer der wärmeren Regionen Europas befinden. Traubenreife ist hier nirgends ein Problem. 

Die Gesamt-Rhône ist eines der wichtigsten Anbauzentren Europas: 68.000 Hektar; 3 Millionen Hektoliter, qualitativ sehr hochwertig und aufgeteilt einerseits auf berühmte und teure Weine aus kleinen Orts-Herkünften wie Côte Rôtie oder Hermitage und andererseits auf die große übergeordnete Regional-Appellation Côtes du Rhône. In Folge 9 haben wir diese Etiketten-Hierarchie genauer erklärt.

Côtes du Rhône: Die regionale Appellation

Cotes du Rhone EtikettDer Winzer kann bei den meisten Weinbergen an der Rhône entscheiden: will ich nach strengen Regeln und mit sehr niedrigem Ertrag einen teuren Spitzenwein unter meiner Ortsbezeichnung machen, oder will ich mit etwas mehr Ertrag und etwas weniger anspruchsvollen Regeln einen etwas einfacheren Wein machen? Das wäre dann meist der Côtes du Rhône. In der Praxis greifen die Winzer an der Nordrhône eher selten auf die Regionaloption zurück. Hier entsteht wenig Côtes du Rhône. Im Norden liegen auch keine zehn Prozent der Gesamtanbaufläche der Rhône.

Im Süden haben wir deutlich mehr Wein aber dafür deutlich weniger Fläche mit erstklassigen Ortsappellationen. Wirklich berühmt sind Châteauneuf-du-Pape, Gigondas und Vacqueyras. Hier entsteht auch deutlich mehr Wein, als man unter den Namen dieser Spitzen-AOCs vermarkten könnte. Und so ist die Südrhône Heimat einer Reihe von Weinen mit hervorragendem Preis-Leistungsverhältnis, alle unter dem Namen Côtes du Rhône bekannt.

Côtes du Rhône Village: das Upgrade

Cotes du Rhone weissCôtes du Rhône gibt es in rot, weiß und rosé. Und es gibt drei Qualitätsstufen, nämlich Côtes du Rhône und Côtes du Rhône mit den Zusätzen Village oder Village plus Ortsnamen. Das ist ein bisschen wie der Zusatz Superiore in Italien, nur dass der an der Rhône eben eine geographische Komponente hat, denn Village heißt Dorf oder Gemeinde. Steht auf dem Etikett neben der Bezeichnung Côtes du Rhône noch Village, ist der Wein etwas hochwertiger. Dies liegt vor allem an niedrigeren Erträgen. Wenn wir ganz genau sind, herrscht für den Côtes du Rhône Village auch eine höhere Anforderung an den Mindestalkoholgehalt. Genügend Sonne in die Flasche zu kriegen, ist aber in diesem Teil Europas wirklich kein Problem. Wichtiger ist, dass sich die Weinberge seiner Herkunfts-Gemeinde in der Vergangenheit als besonders gut erwiesen haben.

Cotes du Rhone VillagesDie Dörfer mit den allerbesten Weinbergen und Weinen dürfen neben der Kategorie Village auch den konkreten Ortsnamen dazu schreiben, zum Beispiel Séguret. Manchmal ist das nur ein Zwischenschritt auf der Beförderungsleiter: die schon erwähnten Gemeinden Vacqueiras und Gigondas hatten als Cotes du Rhone Gebiet angefangen, wurden zu Gemeinden mit Erlaubnis der Nutzung des Gemeindenamens hochgestuft und schließlich zu eigenen Gemeinde-Appellationen upgegraded, die heute weltberühmt sind. Im Moment dürfen rund hundert Gemeinden den Zusatz Village verwenden, aber nur rund 20 auch den Dorfnamen dazu schreiben.

Der Wein: Wofür steht Côtes du Rhône?

Cotes du Rhone ist fast immer eine Cuvée, die reinsortigen Syrah von der Nordrhône finden ihren Weg selten nach Deutschland. Große Besonderheit: in rote Cuvées dürfen auch Weißweine rein. Rosé entsteht klassisch im Saftabzugsverfahren, wie in der Folge über Rosé beschrieben. Auch hier dürfen bis zu 20 Prozent Weißwein in den Wein hinein verschnitten werden. Rosé steht für 10 Prozent der Produktion des Cotes du Rhone aber nur 1 Prozent bei den höherwertigen Village-Weinen. Die beliebtesten Rebsorten für Rosé sind Grenache und Cinsault, auch Syrah kommt oft in die Cuvée.

Generell herrscht an der Rhone große Vielfalt: 23 Rebsorten sind zugelassen, aber viele spielen nur eine kleine Rolle. Bei den Weißen zum Beispiel spielt die Musik bei Grenache blanc, Viognier, Marsanne, Rousanne und Clairette – Ugni Blanc, Piquepoul oder Bourboulenc finden sich zunehmend seltener in den Weinen. Bei den roten gibt es für die Hauptdarsteller die in der Weinwelt weit verbreitete Abkürzung: GSM

GSM: Das geniale Trio

GSM steht für Grenache, Syrah und Mourvedre. Diese Rebsorten ergänzen sich enorm gut und bilden die Basis des roten Côtes du Rhône. Es gibt für sie auch gesetzliche Mindestwerte. Die variieren ein bisschen, abhängig davon, ob es sich um einen einfachen oder einen Village handelt und abhängig davon, ob sich die Weinberge an der Nord- oder Südrhône befinden. Aber Pi mal Daumen ist bei dem, was wir in Deutschland im Handel finden, mindestens die Hälfte Grenache und mindestens ein Viertel von einer der beiden Sorten Syrah oder Mourvedre mit drin, meistens alle drei. Die häufigsten unterstützenden Rebsorten sind Carignan und Cinsault.

Die Cuvée ist an der Rhone zur Kunstform erhoben und die Hälfte der eingesetzten Rebsorten im Laufe der Jahrhunderte aus Nachbarländern importiert. Ein Schmelztiegel der Weinkultur. Ugni Blanc ist zum Beispiel sehr viel bekannter unter dem Namen Trebbiano und stammt aus Italien. Grenache, Mourvedre und Carignan heißen eigentlich Garnacha, Monastrel und Cariñena. Sie sind von Pilgern auf dem Rückweg von Santiago de Compostella aus Spanien mitgebracht worden.

Côtes du Rhône: der Gutswein der Elite

Kultwein Rhone PegauBleibt die Frage nach Kultweinen. Einerseits gibt es einige wenige Überdrüber-Cotes-du-Rhone wie etwa den weißen von Chateau Grillet, andererseits hält sich das mit dem Kult in engen Grenzen. Die bekanntesten Erzeuger machen ihre Spitzenweine nämlich lieber unter dem Dach der berühmten Dorf-Appellationen. Was eher kultig ist, ist die Tatsache, dass man an der Rhône mit dem Côtes du Rhône quasi einen ‚Gutswein‘ für 10 Euro von Winzern trinken kann, deren Spitzengewächse häufig über 300 Euro kosten. Da steckt nicht das gleiche Traubenmaterial in der Flasche. Es steckt aber viel von dem Know-how drin, ohne das Spitzenweine nicht entstehen können.

Im Video haben wir zahlreiche Weinempfehlungen für Euch.

Hinweis: Das Video entstand mit freundlicher Unterstützung von Inter Rhone. Die Verkostungsempfehlungen beruhen auf unseren persönlichen Verkostungseindrücken.

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